Armin Staffler

Publikationen

01.12.2014

Augusto Boal

Augusto Boal. Einführung.
Oldib-Verlag, Essen 2009
ISBN 978-3-939556-11-4
zu beziehen über den Autor (Österreich, 12.- x + Versandkosten)
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Das Theater der Unterdrückten von Augusto Boal hat sich einen fixen Platz in der deutschsprachigen Theaterlandschaft erarbeitet. Aber nicht nur dort: In Schulen und Universitäten, im Sozialbereich, in der politischen Landschaft und hier vor allem in der Bürgerbewegung, in der Sucht- und Gewaltprävention und in Gefängnissen kommen die Methoden des brasilianischen Theatermachers zum Einsatz.

Ich habe begonnen, mich in „Augusto Boal. Einführung“ zu vertiefen, … Und ich möcht dir sagen: ich finde das Buch großartig! Der Ton in dem du schreibst, die Dramturgie aber auch die didaktische Struktur wie du da Wissen aufbereitest – das alles ist mir sehr nützlich bei meiner Arbeit. Danke!
(Rainer Rathmayr)

Staffler liefert mit seinem Buch eine thematisch weit abgesteckte, interessante Einführung, in der er auch auf die Darstellung wichtiger Hintergrund- und Kontextinformationen nicht verzichtet. So schafft er es, seinen LeserInnen ein breites Bild des TdU zu vermitteln. Gleichzeitig gelingt es ihm zu verdeutlichen, dass das TdU nicht als ein in sich abgeschlossenes, statisches Modell angesehen werden kann, sondern sich aus lebendigen, wandelbaren Elementen zusammensetzt. Einen guten Einstieg in die Thematik bietet Staffler auch deshalb, weil er keine ungeklärten Fachbegriffe verwendet und diverse Hintergründe sofort erörtert. An den (…) Stellen, an denen Staffler seinen persönlichen Zugang und Kritikpunkte (…) einfließen lässt, macht dies das TdU greifbarer und steuert einer Abstraktion des Themas ebenso entgegen, wie Stafflers gut verständlicher Schreibstil.
(20.04.2010 | Christina Haslehner, Rezension)

Armin Staffler gelingt mit dieser lebendig geschriebenen Einführung in das Leben und Werk Augusto Boals eine perfekte Kombination aus einer Kurzbiographie mit zahlreichen Details, die zumindest im deutschen Sprachraum bislang wenig bekannt waren, und einem Überblick über die enorme Vielfalt von Methoden und Einsatzmöglichkeiten, welche das Theater der Unterdrückten bietet. Stafflers besonderes Verdienst liegt darin, dass er in seinem Stil dem spielerischen Charakter Boals treu bleibt und dessen Werk dennoch respektvoll und sachkundig beschreibt. An diesem Buch sollte niemand vorbei gehen, der sich für Konflikttransformation und Humanistische Psychologie im spezifischen Bereich der theaterorientierten Arbeit interessiert.
(Prof.DDr.Wolfgang Dietrich, UNESCO Chairholder, www.uibk.ac.at/peacestudies)

Armin Staffler erweist sich als Kenner der regionalen wie internationalen Szene und Literatur. Das Buch ist umfassend, vielschichtig und doch sehr kompakt geschrieben, es stellt die wesentlichen konzeptionellen Grundlagen nachvollziehbar und konzentriert dar ohne auf Bezüge zur Praxis verzichten. Und es verbindet aktuelle mit historischen und biografischen Entwicklungsprozessen. In jedem Fall empfehlenswert für Kenner und für NeueinsteigerInnen des Theaters der Unterdrückten.
(Zeitschrift für Theaterpädagogik, (ehem. Korrespondenzen) 2/2010, Michael Wrentschur)

Am 2. Mai 2009 ist der brasilianische Theaterschaffende und Theaterpädagoge Augusto Boal, der Erfinder des weltweit verbreiteten Theaters der Unterdrückten (TdU) verstorben. Ihm widmet der noch relativ junge Oldib-Verlag, bei dem übrigens eine interdisziplinäre Zeitschrift zu Theater und Theaterpädagogik mit dem Namen xThepakosx erscheint, eine Einführung. Hintergrund für diese Publikation ist das Faktum, dass es seit 1999 (xRegenbogen der Wünschex) keine Originalliteratur von Boal in deutscher Sprache mehr gibt, weder Legislative Theatre, noch Aesthetics of the Oppressed oder Hamlet and the Bakerxs Son wurden übersetzt und es blieb unberücksichtigt, dass es von xGames for Actors and Non-Actorsx eine überarbeitete Neuauflage gibt. Die einzige verschriftlichte Grundlage in deutscher Sprache, die von Boal selbst stammt, ist das bei Suhrkamp 1989 erschiene Theater der Unterdrückten, das sich aber mehr in gewisser Hinsicht als „missverständliches Konglomerat aus vielen Publikationen“ (S.10) darstellt. „Das vorliegende Einführungswerk“, so der Autor Armin Staffler, Politologe und Theaterpädagoge, der seit vielen Jahren mit den Theaterformen des TdU über spectACT – Verein für politisches und soziales Theater Projekte durchführt (www.staffler.at) – kann all diese Lücken nicht füllen, „möchte aber Interessierten am TdU und an der Person Augusto Boals einen aktualisierten Zugang ermöglichen und allen, die sich in der Folge intensiver auseinander setzen wollen, ein Wegweiser sein“. Es will einen fundierten Einblick in die Entstehungsgeschichte und die Entwicklungen geben, chronologisch verknüpft mit dem Leben Boals. Daher stellt das Buch auch keine Sammlung von Spielen und Übungen dar, vielmehr werden die wesentlichen Entwicklungslinien und Konzeptionen sowie deren theoretisch-philosophischer Hintergrund dargestellt. Das TdU, so Staffler, ist vielschichtig und beinhaltet ein humanistisch geprägtes Menschenbild, ein demokratisches Kunstverständnis, ein marxistisch geprägtes Geschichtsverständnis, eine dialogische, Freirexsche Pädagogik und arbeitet mit einer antikapitalistischen, sozialpolitischen Grundhaltung. Das TdU ist eine lebendige Bewegung mit gesellschaftspolitischen Ansprüchen und gleichzeitig ein offenes Systemx (S.11).
Ein kurzes Glossar (S.13) leitet über zu Grundlagen und Perspektiven: Dabei wird zunächst kurz auf den historisch-politischen Kontext in Brasilien verwiesen, vor dessen Hintergrund erste Aspekte der Biografie von Boal zusammengefasst werden. Daran knüpft sich die Darstellung der pädagogischen und philosophischen Grundlagen: Ausgehend von der Grundsatzerklärung der internationalen xTheater der Unterdrücktenx Organisation (S.24ff) wird auf die xFreirexsche Pädagogikx und deren dialogisches Bildungskonzept eingegangen. Es hat insofern einen wesentlichen Input geliefert, als das TdU in erster Linie Fragen stellt und nicht fertige Antworten liefert und das gemeinsame, dialogische Lernen zur Bildung von Bewusstsein über die eigene Lage und Situation führen soll. Das TdU ist keine Verpackung oder ein Transportmittel, um Wissen zu vermitteln, es ist xkein Theater des guten Rats, kein Theater der guten Absicht, kein Theater der Opfer. Das Theater der Unterdrückten zwingt niemanden dazu, etwas einzusehen oder zu tunx (S.33).
In der Folge werden zentrale Aspekte und Begriffe wie des TdU wie Ethisches Handeln (S.34), Osmose als Bezeichnung dafür, wie sich gesellschaftliche Werte in kleinen Strukturen niederschlagen (S.35), Metaxis, als gleichzeitige Bewegung in Realität und Fiktion im künstlerischen Prozess (S.37) und die Katharsis im TdU als Befreiung von inneren und äußeren Blockaden (S.40) dicht und anschaulich vorgestellt, bevor die theatralen Grundlagen des TdU zusammengefasst werden. Theater, im Sinne Boals wird als Essenz menschlichen Lebens und menschlicher Kultur aufgefasst, die allen zugänglich sein muss (S.42). Staffler geht zunächst auf die Arbeit von Boal mit dem Teatro de Arena (S.48ff.) ein, dann auf die 2006 erschienene xÄsthetik der Unterdrücktenx (S.55f.), den xÄsthetischen Raumx im TdU mit seiner zeitlichen und räumlichen Dehnbarkeit und Telemikroskopie (S.57f) und verschiedene Theaterarbeiten und -stücke von Augusto Boal (S.58ff.). In den Kapiteln über die methodischen Grundlagen (S.66ff.) werden das Zeitungstheater (S.70ff), das Unsichtbare Theater (S.74ff), ausführlicher das Bildertheater (S.78ff) und besonders eingehend das Forumtheater (S.87ff) – vorgestellt, das die wesentliche Grundlage für das Legislative Theater (S.116ff) darstellt. Aber auch die introspektiven Techniken wie Regenbogen der Wünsche (S.106ff) und Polizist im Kopf (S.111ff) finden darin ihren Platz. Auch in diesen Kapiteln wird die Darstellung der konzeptionellen Grundlagen illustrativ verbunden mit praktischen Erfahrungen des Autors und wesentlichen Ereignissen in der Biografie von Boal.
In einem Schlusskapitel werden nochmals aktuelle Aussagen von und über Boal gebündelt, unter anderem Boals Botschaft zum Welttheatertag 2009 (S.131ff.), bevor im Literaturverzeichnis (S.139ff.) neben der Originalliteratur von Boal auf zahlreiche Literatur verwiesen wird, die zum Teil auch kommentiert wird. Darin finden sich alle wesentlichen Schriften von und über Boal sowie das TdU.
(Zeitschrift für Theaterpädagogik, (ehem. Korrspondenzen), 2/2010, Michael Wrentschur

Diese Einführung gibt erstmals seit dem Sammelband Theater der Unterdrückten. Übungen für Schauspieler und Nicht-Schauspieler (1989) einen fundierten Einblick in die Entstehungsgeschichte und die Entwicklungen, chronologisch verknüpft mit dem Leben Boals, der 2008 für den Friedensnobelpreis nominiert und 2009 zum Botschafter der UNESCO für Theater ernannt wurde und im Mai 2009 verstorben ist. Das Theater der Unterdrückten ist ein lebendiges System und diese Einführung legt die philosophischen, theatralen und politischen Grundlagen der Arbeit dar und erklärt die wesentlichen Methoden wie Forumtheater, Unsichtbares Theater und Regenbogen der Wünsche. Der Autor gibt zudem seine Erfahrungen in der LehrerInnenausbildung, der Sucht- und Gewaltprävention und als Lehrender im UNESCO Chair für Friedensstudien an die interessierte Leserin und den interessierten Leser weiter.

Eine Einführung, die keine Wünsche offen lässt, außer dem einen: noch mehr über das Theater der Unterdrückten zu erfahren!

01.12.2015

Theater zum Leben

Autor: David Diamond
Übersetzer: Armin Staffler
ibidem-Verlag, 2013
ISBN: 978-3-8382-0255-6

Das Theater zum Leben (Theatre for Living) des kanadischen Theatermachers David Diamond entwickelte sich aus dem Theater der Unterdrückten nach Augusto Boal und lenkt die künstlerisch-pädagogische Kraft des Theaters vor dem Hintergrund systemtheoretischer Erkenntnisse in eine Welt jenseits einfacher Lösungen  und gefährlicher Trennungen in Gut und Böse. Es greift die Grundlagen Paulo Freires auf, adaptiert die Methoden Augusto Boals für die Herausforderungen heutiger Gesellschaften und erkennt mit Fritjof Capra die Zusammenhänge lebendiger Systeme, die für ein Leben in einer Gemeinschaft wertvoll sind. Dieses Buch unterstreicht den Wert des Theaters für einen Dialog zwischen Individuen, zwischen Gruppen und Gemeinschaften aller Art, sowie zwischen Kunst und Wissenschaft und es plädiert für ein Theater, das nach immer neuen Wegen für ein gelungenes Zusammenleben sucht.