Armin Staffler

Theater zum Leben

Das Theater zum Leben (Theatre for Living) entwickelte sich aus dem Theater der Unterdrückten nach Augusto Boal. Es verlässt allerdings den historischen und ideologischen Kontext innerhalb dessen das Konzept der Unterdrückung und der Auflehnung dagegen den hauptsächlichen Fokus in der Arbeit bildete. Der theoretische Hintergrund im Theater zum Leben fußt auf einer systemischen Sicht auf die Welt wonach jede Gemeinschaft auch ein Gemeinwesen – ein lebendiger Organismus – ist. Laut Boal ist das TdU das „Theater der 1. Person Plural und nicht der 1. Person Singular“. Das gilt umso mehr für das Theater zum Leben, wo es nicht mehr um die Frage nach Unterdrückten und Unterdrückern geht, sondern um einen ganzheitlichen Blick auf Konflikte und die Frage wie diese transformiert werden können.

Das Theater zum Leben (Forumtheater, Regenbogen der Wünsche, Polizisten im Kopf) erzählt erfundene Geschichten des Gemeinwesens („Fiction is more likely to contain truth than facts.“ Virginia Woolf), um diese interaktiv, im theatralen Dialog, zu behandeln und zu bearbeiten und daraus eine gesündere, friedlichere, heilsamere Geschichte entstehen zu lassen.

Das wichtigste Wort im Terminus Theater der Unterdrückten ist meiner Ansicht nach „der“. Nur wenn es von den Menschen kommt, den Expertinnen und Experten des Alltags, dann ist es auch „über“ sie und „für“ sie. Die von Augusto Boal gewählte Bezeichnung – in Anlehnung an Paulo Freires Pädagogik der Unterdrückten – zeigt mir und erinnert mich, woher die Arbeit kommt. David Diamonds Wahl Theater zum Leben zeigt mir wohin es gehen soll. Es ist NICHT „Theatre for Life“, sondern, wie David es schildert, die Kurzversion von „Theatre for living in healthier communities, oder … living in a more peaceful world“. Das führte zur Übersetzung „Theater um (in einem heilsameren Gemeinwesen oder einer friedlicheren Welt) zu leben“. Daraus wurde „Theater um zu leben“ und aus „um zu“ wurde „zum“. Und so wurde es „Theater zum Leben“ so wie „Luft zum Atmen“. Und mir gefällt der Gedanke, dass sich das Theater auf das Leben quasi zubewegt: Es führt das „Theater zum Leben“.

http://www.theatreforliving.com

s. auch das gleichnamige Buch „Theater zum Leben – Über die Kunst und die Wissenschaft des Dialogs in Gemeinwesen“ (ibidem-Verlag, 2013)  (s. Rubrik „Publikationen“)
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Rückmeldungen

Es ist mir ein Anliegen, Dir Folgendes mitzuteilen: Das Theater war toll. Du hast das so souverän und lebendig und weise geleitet. Die Botschaft ist sehr gut rüber gekommen und es hat total Spaß gemacht. Echt ein Erlebnis, Danke dafür.
Auf jeden Fall weiterhin alles Gute. Weiter so. Sehr, sehr wertvoll, was Du der Welt gibst. (Andrea Weber über Zivilcourage – üben und leben)

 

For me, the course of Theatre for Living by Armin Staffler was creating greater understanding and clarity. The most important and amazing thing was the theatre which we did, and the roles which we played, it gave us a chance to test the practical side of peace studies, without accumulating words and theories in our head. It was about practicing and enjoying the journey of transformation process by our own. (Khulud Tamer, BA; Syria über Theatre for Living im Rahmen des Master in Peace Program’s in Basel/Schweiz)

 

Mich hat diese Methode sehr fasziniert. Wir haben den ganzen Nachmittag das „Thema“ in unserem Team dargestellt, wir haben Fotos davon gemacht, nicht über unser Problem im Team gesprochen und trotzdem weiß ich jetzt genau, wo ich in diesem Konflikt stehe, was meine Anteile sind und was ich tun muss, damit sich die Situation bessert. Alles passierte ohne Verletzung anderer Personen, ohne Bloßstellung, ohne Tränen, wie ich es in vielen Supervisionen schon kennengelernt habe. Vielmehr hat es unheimlich Spaß gemacht! Eine lustvolle Begegnung mit nicht einfachen Themen. Ich bin beeindruckt. (Birgit Sieber-Mayr über Unser kühnster Traum, Lustenau, 2016)

 

Bereits beim Auswählen der „Geschichten“ entschieden wir – noch als Publikum – uns für jene Erzählung, die jeder Einzelne mit sich selbst gefühlsmäßig in Verbindung brachte. Die Darsteller sind zwar in eine „fremde“ Geschichte eingestiegen, aber sie haben sich selbst eingebracht, sowohl mit dem aus ihrer Sicht fehlenden Teil, als auch mit ihrer doch ganz persönlichen Art und Weise mit einer Situation umzugehen. Als Du die Szene langsam zum Leben erwachen liesest, wurde der Ausdruck der einzelnen Charaktere für mich noch deutlicher sichtbar.
Interessant empfand ich die Wortmeldungen zum Schluss, wo sich Menschen „irgendwie freier fühlten“, als ob sie einen Bereich in ihrem tatsächlichen Leben besser verstanden, besser verarbeitet hätten. Durch verschiedene Darstellungen, die so vorher noch nicht überlegt, so noch nicht gesehen wurden, konnte man – nach eigenen Aussagen – mit dem Erlebten jetzt besser umgehen! Den gesamten Abend unter Deiner Leitung sehe ich als ein philosophisches Lernabenteuer, eine Chance im Spiel über sich selbst und sein Umfeld bewußter wahrnehmend zu agieren! Es war lebensnahes, lebendiges Theater! (Johannes Hauer über Wir und die Anderen)